Hoffnungen & Chancen

- Prof. Dr. med. Alois Gratwohl
Hoffnung auf gesundes Leben
Trotz der grossen Fortschritte in der medikamentösen Behandlung der Kinderleukämie und gewisser Leukämien des Erwachsenen bleibt bei vielen Formen von Leukämie und Lymphom die Transplantation von Blutstammzellen die einzige Therapie mit Aussicht auf langfristige Bewältigung der Krankheit. Entsprechend hat sich diese Therapie als vielversprechende Behandlung durchgesetzt: Sie bringt Patienten und Patientinnen berechtigte Hoffnung auf Heilung.
Jeden Tag kann es geschehen. Ein bisher gesunder Mensch wird aus seinem Alltag gerissen und sieht sich einer akuten lebensbedrohlichen Situation gegenüber: das Knochenmark versagt seine Funktion. Es fehlen genügend normale rote Blutkörperchen, genügend weisse Blutkörperchen und genügend Blutplättchen. Müdigkeit, blaue Flecken oder eine hartnäckige Erkältung können den Schritt zum Arzt oder zur Ärztin bewirken. Betroffen können alle sein; kleine Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder ältere Menschen. Die Ursachen sind unterschiedlich. Eine angeborene Störung, eine aplastische Anämie (Knochenmarkschwund), Blutkrebs (Leukämie) oder eine andere bösartige Erkrankung können sich hinter den klinischen Zeichen verbergen. Immer ist die Reaktion ähnlich: Warum ich? Kann man mir helfen? Werde ich sterben?
Die Antwort ist nicht einfach, aber die Hoffnung soll man nicht verlieren. In vielen Situationen ist heute eine wirksame Behandlung mit Medikamenten und oder Transfusionen möglich. Manchmal genügt das nicht. Das Knochenmark kann so geschädigt sein, dass es seine Funktion nicht mehr aufnimmt. Ein Ersatz wird notwendig. Oder die bösartige Erkrankung lässt sich mit Medikamenten allein nicht kontrollieren. Ein neues Immunsystem mit gesunden Stammzellen kann Einhalt bieten. Wann, zu welchem Zeitpunkt, welche Therapie am besten zum Einsatz kommt, wird von den verschiedenen Spezialisten abhängig vom Risiko der Krankheit und von der Möglichkeit einer Transplantation beurteilt.
Die Transplantation von Blut bildenden Stammzellen ist heute eine wichtige Behandlungsform. Sie ist so gut möglich, weil das Knochenmark ein sich selbst erneuerndes Organ ist. Das Spenden von Blutstammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem peripherem Blut ist normalerweise ohne bleibende Folgen möglich. Meistens ist die Spenderin oder der Spender ein Geschwister. Immer häufiger sind es auch gesunde fremde Spenderinnen und Spender, die sich für dieses Geschenk an Unbekannte freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Weltweit stehen so über 12 Millionen Menschen bereit. Allein dieses schöne Zeichen internationaler Verbundenheit soll Mut und Hoffnung geben.
Die Transplantation Blut bildender Stammzellen ist auch heute noch eine komplexe, belastende und teure Therapieform, die Patientinnen und Patienten mit ihren Angehörigen manchmal den Grenzen der Belastbarkeit aussetzt. In dieser Zeit ist Unterstützung von allen Seiten notwendig: Es ist gut zu wissen, dass es die Schweizerische Vereinigung der Blutstamzelltransplantierten gibt. Ihre Mitglieder stehen mit Zeit und Ort zur Verfügung. Sie geben auch ein lebendiges Beispiel, dass es gelingen kann, die Krankheit zu überwinden.